Wunderhorn Project Logo
Idee


"MAN KANN DIE SPRACHE NICHT FESTHALTEN"

Vor gut 200 Jahren haben Achim von Arnim und Clemens Brentano in Heidelberg und Umgebung deutsche Volkslieder für ihre erfolgreiche Anthologie "Des Knaben Wunderhorn" gesammelt und weitergedichtet. Seit Herbst 2006 suchen wir am Theater und Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg erneut Lie- der, Gedichte, Geschichten, Sprüche aus der Stadt und werden sie mit dem Philharmonischen Orchester und Laien-Sängern und -Tänzern jeden Alters auf die Bühne bringen. An einem Wochenende im Juli ist das Theater im Herzen der Stadt als "Wunderhorn" zu erleben - als geheimnisvolle, kunstfertig zu bedienende Apparatur, in die Menschen etwas einhauchen, damit daraus etwas Besonderes, Schönes strömt.


"DON'T SPEAK UNLESS YOU CAN IMPROVE THE SILENCE"

Auf dem freigeräumten Theaterplatz sind am Samstag, 21.07., und Sonntag, 22.07., um 18.00 Uhr aus allen Ecken und Enden über 100 Heidelberger Blasmusiker zu hören, aus Schulen, Vereinen und Kapellen. Sie spielen gemeinsam "100 Wunderhörner", eine einfache, aber raffinierte Neukomposition von Ernst Bechert, die alle Gäste durch den Abend begleiten wird. Damit ist das Theatergebäude geöffnet und in allen seinen geheimnisvollen Winkeln zur Entdeckung freigegeben.


"ICH SEHE DIE WELT WIE EIN STUMMFILM UND SCHREIBE UNTERTITEL"

Die alten und neuen Foyers sind frei zugänglich und zeigen: - eine Ausstellung mit allen Plakaten, auf denen wir Gedichte und Texte gesammelt haben, - ein Kino mit Interview-Filmen und ersten Dokumentationen des Medienforums Heidelberg e. V., - einen Archivraum mit allen eingesandten Materialien, - ein weißes Sofa, auf dem Schüler die sechs Komponisten über ihrer Arbeit befragen.


"GESCHICHTEN MÜSSEN ERZÄHLT WERDEN"

Das Glasfoyer wird zum Gartenlabyrinth, an dessen Ziel sich der Eingang in die geheimen Räume des Thea- ters befindet. Besucher mit Eintrittskarte sind eingeladen, sich in kleiner Gruppe von einem der 25 "Wun- derhorn-Scouts" je drei inszenierte Räume zeigen zu lassen. Heidelberger (Bürger mit Geschichten, Schüler, Senioren) spielen in so spannenden Orten wie Schuhlager, Montagehalle, Herrenschneiderei und Orches- tergraben mit Elementen aus der Recherche.


"DAS GLÜCK LIEGT GLEICH HINTER DEN SCHMERZEN"

Um 20.00 Uhr erschallen die "100 Wunderhörner" noch einmal: Jetzt wird das "Herz" des Theaters geöff- net: die Bühne. Sie sind für zwei Tage in eine Wunderkammer der Sprache verwandelt. Auf der Vorbühne sitzen zwei Kinder, die Texte auf den Vorhang schreiben. Auf der Bühne beginnt das Philharmonische Or- chester unter der Leitung des jungen Generalmusikdirektors Cornelius Meister auf der Bühne zu spielen. Nach und nach strömen über 80 Heidelberger aus fast allen Stadtteilen und Vororten auf die Bühne: Kin- der, Jazz-Tänzerinnen, Hip-Hopper, Breakdancer, Teenies und Senioren setzen die Neukompositionen von fünf jungen Komponisten der Hochschule Mannheim-Heidelberg und ihres Lehrers in Bewegung um. Mitten im etwa einstündigen szenischen Konzert wird die Bühne noch voller: Heidelberger Chöre, unter- stützt vom Opernchor, singen "von wo anders", eine Komposition, die alle fremdsprachigen Lieder unserer Recherche bündelt. Kurz vor Schluss der Aufführung treten junge Rapper auf, die auf vom Orchester impro- visierte Beats singen - natürlich Freestyle zu Worten aus dem Publikum. Schließlich kommen die "100 Wunderhörner" noch dazu und spielen - diesmal mit allen anderen Orchesterinstrumenten - ein großes Finale.


"GIB MIR NOCH EINEN LÖFFEL SAND ZUM TEE"

"Das neue Wunderhorn" entsteht in drei ineinander übergehenden Phasen: 1. Mithilfe von Interviews und Straßenbefragungen, Aufrufe in der Zeitung und im Internet haben wir Ge- dichte und Geschichten von Heidelbergern zusammengetragen. In zwei Plakataktionen an dem mobilen Architekturobjekt Orbit auf dem Universitätsplatz und später an Aufstellern in der gesamten Stadt und in Schulen wurden viele weitere Texte, Sprüche, Wörter als Material gesammelt. 2. Sechs Komponisten haben sich von den Texten zu insgesamt 25 kurzen Stücken für das große Philhar- monische Orchester anregen lassen, zwei zusätzliche Texte stammen von der Stückemarkt-Preisträgerinnen Katharina Schmidt und Paula Fünfeck. 3. Die Inszenierung der Kompositionen und weiterer Texte entsteht in Zusammenarbeit mit vielen Instituti- onen, Gruppen, Vereinen und Persönlichkeiten aus der Stadt, allen voran den Tanzgruppen aus dem Haus der Jugend.


"THE REVOLUTION WILL NOT BE ON GOOGLE"

Seit Oktober 2007 kann das Publikum die Entwicklung in regelmäßigen Veranstaltungen in der Studiobüh- ne zwinger1 mitverfolgen und mitgestalten. Im "Camp Wunderhorn" stellen Künstler und Mitwirkende dabei den Stand der Recherche und erste Arbeitsergebnisse vor und probieren mit den Besuchern künstleri- sche Verfahren aus: Camp 1: Die Theatergruppe "RAMPIG" und Breakdancer aus dem Haus der Jugend stellen sich als zukünf- tige Mitwirkende vor. Camp 2: Die Heidelberg- und Wunderhorn-Experten Michael Buselmeier und Manfred Metzner diskutieren über das Wunderhorn 1806, 1968 und heute. Camp 3: Junge Komponisten der Musikhochschule Mannheim-Heidelberg stellen eigene Werke vor. Zwei junge Heidelbergerinnen aus dem Song Star-Projekt treten auf. Camp 4: Das Schulprojekt "Geheimorte Heidelbergs" präsentiert erste Ergebnisse. Camp 5: Rapper und Schauspieler arbeiten mit Musikern des Philharmonischen Orchesters und Texten aus der Plakat-Aktion. Camp 6: 25 Bürger bewerben sich als Führer und erkunden die geheimen Räume des Theaters. Camp 7: Breakdancer probieren zum ersten Mal, sich zur "Antonitischen Groteske" von Martin Wisting- hausen zu bewegen. Weiße Kostüme werden probehalber mit Worten aus der Recherche beschriftet. Camp 8: Kindertanz-Gruppen erleben zum ersten Mal die große Bühne. Das Publikum ist aufgerufen, den Tanzboden auf der Bühne zu beschriften. Camp extra 28.06.: Als künstlerischer Auftakt zum Kongress "Kinder zum Olymp" der Kulturstiftung der Länder und des Bundes liefert "Das neue Wunderhorn" eine Kostprobe seiner Arbeit am Staatstheater Saarbrücken.


"ICH BIN GEFANGEN IN DER MUSIK DIE MICH BEFREIT"

200 Heidelberger - Rapper, Kinder, großer Chor, Breakdancer, Orchester, Senioren, Schauspieler, Bands, Blechbläser entdecken das Theater als "neues Wunderhorn". Geleitet wird das Projekt von Jan Linders (Künstlerische Leitung), Cornelius Meister (Musikalische Leitung), Beata Anna Schmutz (Künstlerische Mitarbeit, Recherche), Olaf A. Schmitt (Dramaturgie), Uschy Szott (Choreographie), Ulrich Volz (Dramaturgie-Mitarbeit), Iris Menge (Produktionsleitung), Susanne Hiller (Ausstattungs-Beratung), Tarmo Vaask (Chorleitung) Kompositionen von Ernst Bechert, Erich Hermann, Timo Jouko Herrmann, Jens Holzinger, Evgenji Orkin, Martin Wistinghausen